WochenSpiegel: Holznischel grüßt mit Schwibbogen
2009-12-15 18:00 von Andre Franzke
Rembrandtkünstler bedanken sich auf Weihnachtsfeier bei guten Freunden
(JT). Wenn die Insassen vom Wohnzentrum des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) auf der Rembrandtstraße eine Feier vorbereiten und dann loslegen, bleibt kein Auge trocken bzw. kein Stuhl frei. So auch am Mittwoch der Vorwoche, als sie zu einer großen vorweihnachtlichen Dankeschönveranstaltung eingeladen hatten, um Sponsoren, Freunde, Verwandte, Bekannte, Helfer und Helfershelfer ein paar Stunden ein bisschen zu verwöhnen. Das gelangwie immer, wenn die körperlich schwerst behinderten jungen Leute ihrer Phantasie freien Lauf lassen und zeigen, was sie an Ernstem und Ulkigem so auf der Pfanne haben. Rembrandtkünstler werden sie auch genannt, weil sie frei von der Leber weg aus dem Rollstuhl heraus ihre Gefühle und Talente präsentieren. Manch "normaler" Fußgänger kann sich davon ein (oder mehrere) Scheibchen abschneiden.
Marco Lohr zum Beispiel überraschte mit einer exzellenten Fotoausstellung: Chemnitzer Details aus Rollstuhlfahrersicht. Details ja. Dennoch kündet jedes Foto zugleich davon, dass der Neuamateur mit Fotoapparat durchaus auch einen scharfen Blick für das Wesentliche hat. Derzeit nur auf die Fluren des Wohnzcentrums beschränkt, verdient "Lohre" (so nennen ihn seine Freunde und Mitbewohner) mit seiner Austeilung "Andere Sichtweise" eine sehr viel breitere Öffentlichkeit. Dass Marco Lohr trotz heftigster Behinderung aus den Rollstulilfesseln heraus auchnoch einen selbst gemachten leckeren Bananenwein präsentierte, gehörte zu den zusätzlichen Überraschungen am Dankeschönabend. Ein Zwerchfellgewitter tobte
durch den Saal, als die Behinderten Theaterszenen vorführten, die sie übers ganze Jahr hinweg mit Bühnenprofi Elvira Grecki vom Chemnitzer Schauspielhaus geprobt hatten. Fechtszenen und Rollstuhltanz begeisterten das Publikum ebenso wie ein witziges Einstellungsgespräch zwischen Schreibmaschine hämmernder Sekretärin und gestandenem Chef. Irre originell die beiden, zwei "Unikümmer", wie es Neudeutsch heißt.
Eine ganz besondere Überraschung kam an diesem Abend von außerhalb: Die Firma Holznischel aus Niederfrohna schickte zwei „Engel": Gabi Rupp und Andre Franzke. Sie sind Holzgestalter in der Holznischel-Firma von Peter Degen. Und dieser wiederum hatte seinen beiden „Engeln" einen riesigen Schwibbogen mit Chemnitzer Motiven mit auf den Weg gegeben. "Ein Stück, über das sich die Rembrandtkünsüer vielleicht freuen", hatte Degen seinen beiden „Engeln" mit auf den Weg gegeben. Kaum, dass diese eingeflogen waren, fand der Schwibbogen in der Cafeteria einen feinen Platz alsweihnachtlicher Sendbote des Lichts. Ein Schein, der über allem strahlte. „Auch als Gruß an Raik, Michael, Wolfgang und Rene", sagte jemand in der Runde. Die vier waren 2009 gegangen. Aber von niemandem vergessen.


